Das DRG-System verstehen, Krankenhausleistungen korrekt abrechnen und die Auswirkungen der Krankenhausreform erfolgreich einordnen
Das deutsche Vergütungssystem für Krankenhäuser befindet sich im größten Umbruch seit Einführung der DRGs. Mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) und den geplanten Anpassungen durch das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) werden die Finanzierungsstrukturen der Krankenhäuser grundlegend verändert. Neben dem bisherigen leistungsorientierten DRG-System gewinnen künftig Vorhaltevergütungen, Leistungsgruppen und neue Anforderungen an die Krankenhausplanung zunehmend an Bedeutung.
Trotz dieser Veränderungen bleibt die sachgerechte Abrechnung stationärer und ambulanter Krankenhausleistungen ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die wirtschaftliche Stabilität eines Krankenhauses. Neben den klassischen DRG-Erlösen spielen Zusatzentgelte, Wahlleistungen, Privatpatientenabrechnungen, Hybrid-DRGs sowie ambulante Leistungen eine immer wichtigere Rolle für die Erlössicherung.
Dieses Seminar vermittelt einen praxisnahen Einstieg in die stationäre Patientenabrechnung und das DRG-System. Die Teilnehmenden lernen die wesentlichen Grundlagen der Krankenhausvergütung kennen und erhalten gleichzeitig einen Überblick über aktuelle Entwicklungen der Krankenhausreform sowie deren Auswirkungen auf die zukünftige Krankenhausfinanzierung.
Ihr Nutzen
Nach dem Seminar:
- verstehen Sie die grundlegenden Strukturen und Zusammenhänge des DRG-Systems;
- kennen Sie die wichtigsten Bestandteile der stationären und ausgewählter ambulanter Krankenhausabrechnungen;
- können Sie die Bedeutung von Diagnosen, Prozeduren und medizinischer Dokumentation für die Erlösbildung nachvollziehen;
- verstehen Sie die Auswirkungen von Verweildauern auf die Krankenhausvergütung;
- kennen Sie die Grundlagen der Abrechnung von Zusatzentgelten und Wahlleistungen;
- erhalten Sie einen Überblick über die Abrechnung von Privatpatienten und privat zusatzversicherten Patienten;
- verstehen Sie die Besonderheiten von Hybrid-DRGs und ambulanten Notfallleistungen;
- lernen Sie die wesentlichen Neuerungen der Krankenhausreform kennen;
- können Sie die Auswirkungen von Vorhaltevergütung und Leistungsgruppen auf die Krankenhausfinanzierung einordnen;
- schaffen Sie eine fundierte Grundlage für weiterführende Tätigkeiten im Medizincontrolling, Patientenmanagement oder Abrechnungswesen.
Inhalte
Grundlagen der Krankenhausfinanzierung
- Entwicklung der Krankenhausvergütung in Deutschland
- Grundzüge der dualen Krankenhausfinanzierung
- Finanzierung von Investitions- und Betriebskosten
- Aktuelle Herausforderungen der Krankenhausfinanzierung
- Überblick über die Abrechnung vollstationärer, teilstationärer und ambulanter Krankenhausleistungen
Einführung in das DRG-System
- Ziele und Grundprinzipien des G-DRG-Systems
- Aufbau und Struktur der DRGs
- Fallpauschalen als Grundlage der Vergütung
- Bewertungsrelationen und Landesbasisfallwerte
- Zusatzentgelte als ergänzende Vergütungsbestandteile
Grundlagen der stationären Patientenabrechnung
- Hauptdiagnosen, Nebendiagnosen und Prozeduren
- Grundlagen von ICD-10-GM und OPS
- Fallzusammenführungen und Verlegungsregelungen
- Grundlagen der Rechnungsstellung gegenüber Kostenträgern
Die Bedeutung der Verweildauer
- Untere, mittlere und obere Grenzverweildauer
- Abschläge und Zuschläge bei Verweildauerabweichungen
- Verweildauersteuerung aus Sicht von Medizincontrolling und Patientenmanagement
- Praxisbeispiele
Zusatzentgelte und weitere Erlösbestandteile
- Grundlagen der Zusatzentgeltabrechnung
- ZE-Katalog und krankenhausindividuelle Zusatzentgelte
- Dokumentations- und Abrechnungsvoraussetzungen
Abrechnung von Privatpatienten und Wahlleistungen
- Allgemeine Krankenhausleistungen und Wahlleistungen
- Abrechnung von Ein- und Zweibettzimmern
- Zimmerzuschläge bei privat zusatzversicherten Patienten
- Chefarztabrechnung und privatärztliche Leistungen
Vor- und nachstationäre Behandlung
- Rechtliche Grundlagen
- Abrechnungsvoraussetzungen
- Abgrenzung zur stationären Versorgung
- Typische Anwendungsfälle und Praxisbeispiele
Hybrid-DRGs
- Hintergrund und Zielsetzung
- Leistungsbereiche und Anwendungsgebiete
- Abrechnungssystematik
- Unterschiede zur stationären und ambulanten Vergütung
- Aktuelle Entwicklungen
Teilstationäre Krankenhausleistungen
- Rechtliche Grundlagen der teilstationären Versorgung
- Abgrenzung zur vollstationären und ambulanten Versorgung
- Voraussetzungen für die Abrechnung teilstationärer Leistungen
- Dokumentationsanforderungen
- Vergütungssystematik und Abrechnungspraxis
- Typische Prüfungs- und Streitfälle
Ambulante Notfallabrechnung
- Grundlagen der ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus
- Abrechnung gegenüber den Kostenträgern
- Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
- Dokumentationsanforderungen
Prüfverfahren und Erlössicherung
- Rolle des Medizinischen Dienstes (MD)
- Grundlagen der Prüfverfahren
- Typische Prüfgegenstände
- Bedeutung einer vollständigen Dokumentation
Krankenhausreform: KHVVG und KHAG
- Ziele und Hintergründe der Krankenhausreform
- Überblick über die gesetzlichen Neuregelungen
- Einführung von Leistungsgruppen
- Veränderungen der Krankenhausplanung
- Anforderungen an Struktur- und Qualitätskriterien
Vorhaltevergütung und zukünftige Krankenhausfinanzierung
- Grundprinzip der Vorhaltevergütung
- Zusammenspiel von DRG-Vergütung und Vorhaltefinanzierung
- Aktueller Umsetzungsstand und Perspektiven
Zielgruppen
Das Seminar richtet sich insbesondere an:
- Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger im Krankenhauswesen
- Mitarbeitende im Medizincontrolling
- Mitarbeitende im Patientenmanagement
- Mitarbeitende in der stationären und ambulanten Leistungsabrechnung
- Kodierfachkräfte und Dokumentationsassistenten
- Mitarbeitende aus Patientenaufnahme und Fallmanagement
- Mitarbeitende der Krankenhausverwaltung
- Mitarbeitende im Erlösmanagement
- Nachwuchsführungskräfte im Krankenhaus
- Ärztinnen und Ärzte mit Interesse an Krankenhausfinanzierung und Erlösmanagement
- Pflegekräfte mit Aufgaben an den Schnittstellen zu Dokumentation und Abrechnung
- Mitarbeitende von Kostenträgern und des Medizinischen Dienstes (MD)
Referent
Maik Wheelock, Leiter Medizincontrolling am Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling

